Samstag, 24. Januar 2026, Westfälischer Anzeiger Hamm / Hamm
Wie Hammer Schulen mit dem Zeitgeist-Problem umgehen und Verstöße bestrafen

Aaron Zeller schließt sein Handy in sein Schließfach. Helan Alfaris befürwortet die sichere Unterbringung mit eigenem Schlüssel. © Markus Liesegang
Hamm – Eine Art Seifenblase schickte das NRW-Schulministerium im vergangenen Jahr ins Land. Bunt und schillernd beschrieb Ministerin Dorothee Feller ihre Hilfestellung für ein partizipatives Konzept für eine Handyordnung, das weiterführende Schulen gemeinsam mit Eltern und Schülern bis zum Herbst 2025 umzusetzen hätten. Ein Konzept, das an Hammer Lehranstalten seit Langem, teils seit Jahrzehnten fest im Schulalltag verankert ist.
„Wir haben uns gefreut, dass die Beispiel-Vorlage aus dem Ministerium mit unserer nahezu identisch war“, erklärt David Schoknecht, didaktischer Leiter der Friedensschule. Die Schule reagiere fortwährend auf die Situation, dass Lernen nicht gestört werden soll, erklärt Leon Moka, Direktor der Gesamtschule im Hammer Osten. Zunächst hätte vor über zehn Jahren die „Null-Handynutzung“ gegolten. „In der Coronazeit haben wir uns neu aufgestellt, die Nutzung weitgehend freigegeben, jetzt ist sie wieder eingeschränkt“, erklärt er. Das heißt für die Friedensschule: Seit diesem Schuljahr kommen die Handys der Schüler der Klassen acht bis zehn morgens in spezielle Schließfächer, die im Flur aufgestellt sind. Die Geräte der fünften bis siebten Klasse werden bisher in Sammelboxen untergebracht. Oberstufenschüler dürfen ihre Handys behalten, aber nur im Oberstufencafé nutzen.
„Die Schließfächer kosten Geld, finanziert von Stadt und Förderverein“, wird die Differenzierung in Unter- und Mittelstufe begründet. Der Plan, allen bis Klasse zehn ein Schließfach zur Verfügung zu stellen, bestehe aber weiterhin.
„Die Schüler haben den Schlüssel, behalten so ihre Verantwortung“, sagt Moka. Die Idee dahinter sei: „Wir nehmen euch nichts weg, sondern bieten etwas an.“ Das sei goutiert worden. „Erst waren wir erschrocken, als wir aus den Sommerferien zurückkamen nach dem Motto: Wie? Das Handy abgeben?“, bestätigen Helan Alfaris und Aaron Zeller (8. Klasse). „Aber das mit dem eigenen Schlüssel ist gut“, sagt die Schülerin der neunten Klasse. „Und das Handy ist sicherer untergebracht als im eigenen Rucksack.“ Wenn in den ersten Stunden Sport anstehe, würden die Handys zunächst in den klassischen Sammelboxen untergebracht, erst später dann vor dem Klassenraum weggeschlossen.
„Wir spielen in den Pausen“, betonen beide. Moka sagt: „Ein reines Verbot war uns zu dünn, wir schaffen Angebote in den Pausen. Wo zum Beispiel ein Ball liegt, wird er auch genutzt.“
Alle weiterführenden Schulen in Hamm unterscheiden beim Handyumgang die Sekundarstufe eins und die Oberstufe. „Je älter die Schüler sind, desto mehr Eigenverantwortung bekommen sie“, betont Astrid Rose. Die Oberstufenschüler der Bockum-Höveler Sophie-Scholl-Gesamtschule (SSG) dürfen ihr Gerät im Foyer benutzen, beschreibt die Direktorin, die der Mittelstufe immerhin in der Teestube, die der Klassen fünf bis sieben gar nicht, es sei denn, der Lehrer erlaubt es ausdrücklich. Das sage die partizipativ getroffene Regelung von 2022. „Wir müssen sie aber ständig anpassen, neben Smartphones gibt es ja Tablets oder Smartwatches“, erklärt Rose. Die Idee der Schließfächer wie an der Friedensschule werde in der kommenden Änderung sicher eine Rolle spielen.
„Ein bisschen Freiheit für die Kinder“
Die Reaktion der Schüler sei gemischt. „Einige finden es nicht so gut, weil sie gerne filmen. Aber dann gibt es auch das Beispiel einer Klassenfahrt der letzten Sechser. Die hatten sich verständigt, kein Handy mitzunehmen. Die Schüler waren begeistert, die Kollegen auch. Sie wollen das immer so handhaben“, sagt Rose über die Folgen. Vielleicht sei das auch ein bisschen Freiheit für die Kinder. Sie würden nicht nur von den Eltern getrackt, sondern sollten ständig erreichbar sein. „Und wenn das wirklich erforderlich ist, sind die Kollegen über das Handy zu erreichen. Und an der Schule hier haben wir Festnetz“, lässt Rose den Einwand nicht gelten.
Am Märkischen Gymnasium (MGH) bestehe ein ministeriumskonformes Konzept ebenfalls schon lange. „Wir mussten nichts ändern an unserer in der Schulkonferenz getroffenen Vereinbarung“, betont Dr. Dirk Bennhardt. In den Klassen fünf bis zehn bleiben die Handys ausgeschaltet und unsichtbar, erklärt der Schulleiter. Die Oberstufe habe Raumbereiche wie Pausenhalle und Schulhof frei. „Gefilmt werden darf nicht, Aufnahmen sind untersagt.“
Eine umfassende Kontrolle der Maßnahmen sei nicht möglich. „Aber wir vertrauen den Schülern“, betont Bennhardt. Ein Verstoß am Tag komme vor, weiß er.
Sanktionen ähneln sich: Das Handy wird im Sekretariat deponiert bis Schulschluss. Das MGH verwarnt den Schüler beim zweiten Vergehen, beim dritten landet das Gerät vier Tage im Tresor. Die SSG führt eine Strichliste. Bei vielen Vergehen bleibt das Handy eine gewisse Zeit eingezogen, kann mit den Eltern gemeinsam abgeholt werden. „Dann ist hier Halli-Galli in Tüten“ sagt Rose.
Die Eltern zitiert auch die Martin-Luther-Hauptschule ins Sekretariat, wenn ein Schüler dreimal die Regel missachtet. „Ansonsten haben wir ja schon geraume Zeit unser Handyhotel“, sagt Schulleiter Daniel Tümmers. Dort verbleiben die Geräte der fünften und sechsten Klassen den ganzen Schultag, „die Schüler der siebten bis zehnten Klasse dürfen ihr Smartphone in den großen Pausen nutzen, wenn sie denn wollen. Zielgerichtet.“ Die Handynutzung während der Pausen sei an seiner Hauptschule nicht so ausgeprägt. „Wir haben für alle kreative Pausen“, erklärt Tümmers Alternativangebote vom Fußball in der Halle oder Yoga.
MARKUS LIESEGANG
