Eindringliche Einzelschicksale

Freitag, 13. März 2026, Westfälischer Anzeiger Hamm / Hamm

18 neue Stolpersteine in Hamm geben Menschen ihre Namen zurück

Die Stolperstein AG der Friedensschule recherchierte die einzelnen Opferbiografien. Dazu gehörte auch Hannah Möller (links). Die AG ist auf dem Bild nicht komplett, insgesamt hatte sie rund zehn Teilnehmer. © Louisa Ahlers

Hamm – „Die Menschen wurden entrechtet und verstoßen. Mit den Stolpersteinen versuchen wir, sie wieder in die Stadtgesellschaft zu integrieren und ihnen ihre Namen und Würde zurückzugeben“, sagte Franziska Rohloff, die Leiterin des Stadtarchivs. Am Mittwochvormittag wurden bei dem Gedenk-Projekt 18 neue Stolpersteine in den Boden eingelassen.

Das Projekt, initiiert vom Künstler Gunter Demnig, erinnert an die Opfer der NS-Zeit. Heute gelten die Stolpersteine als größtes dezentrales Mahnmal der Welt. Die Steine werden an den letzten bekannten freiwilligen Wohnorten der Opfer eingesetzt.

An der Wiescherhöfener Straße wurden dieses Mal zusätzlich zwei Stolpersteine den Euthanasieopfern Emilie und Hedwig Liesegang gewidmet. Die anderen 16 Steine erinnern an jüdische Menschen aus Hamm, die verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden – wie das Ehepaar Emil und Paula Koppel, das in der Innenstadt damals ein Lichtspielhaus betrieb. Sie verloren damals ihren Lebensmittelpunkt und ihre Existenzgrundlage in Hamm.

Die Verlegung ist ein Kooperationsprojekt von Friedensschule, Stadtarchiv und Hammer Geschichtsverein. Beim Einlassen der Steine stellten Schüler der Stolperstein AG der Friedensschule Kurzbiografien der Opfer vor, eine detaillierte Vorstellung folgte bei der anschließenden Gedenkfeier in der Friedensschule. Die Schüler recherchierten die Biografien schon im Januar 2025, allerdings dauerte die Beschaffung der Steine lange, weshalb auch der nächste Verlegungstermin noch nicht feststeht.

„Meine Familie hatte hier im Zweiten Weltkrieg einen Laden, und sie erzählten mir, die Opfer hätten unsere Nachbarn sein können“, sagte Hannah Möller. Sie war Teil der AG und interessiert sich für lokale Geschichte: „Im Geschichtsunterricht sind das Menschen ohne Gesichter – eine riesige Masse. Aber wenn man sich mit den Einzelschicksalen beschäftigt, dringt das mehr ein. Die intensive Recherche hat mich daran erinnert, was damals alles passiert ist und wie schnell alles gehen kann. Ich halte es für wichtig, dass sich junge Leute mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Je mehr Stolpersteine da sind, desto mehr merkt man auch, wie schlimm das wirklich war und wie viele Menschen betroffen waren.“

Rund 30 Leute kamen zu den Verlegungen. Auf den Internetseiten des WDR gibt es eine interaktive Kartenübersicht über die Stolpersteine in NRW inklusive Opferbiografien. Auch der Hammer Geschichtsverein führt online eine Übersicht zu den Hammer Stolpersteinen. LOUISA AHLERS