Donnerstag, 27. August 2026, Westfälischer Anzeiger Hamm / Hamm
Nein sagen ging nicht mehr
Tischler Benedikt Hölker und sein Gesellenstück © Markus Liesegang
Hamm – Die Hartnäckigkeit von Werner Arndt zahlte sich aus. „Zweimal hat er mir die Ausbildung angeboten“, erzählt Benedikt Hölker. Nach dem Abitur an der Friedensschule gab er dem Werben des Handwerksmeisters schließlich nach und begann die Ausbildung zum Tischler beim Werrieser Möbelbauer. Mit Erfolg: Der 22-Jährige belegte nun mit seinem Gesellenstück, einem Wohnzimmertisch, den zweiten Platz im Wettbewerb „Die gute Form“.
„Ich habe in der achten Klasse ein Betriebspraktikum bei ihm gemacht“, erklärt Hölker. „Es war total spannend. Die Arbeit in Werners Betrieb ist absolut vielfältig. Er macht alles, was das Handwerk ausmacht, von individuellen Möbeln bis zu Treppen. Fenster und Türen baut er aber nur ausnahmsweise.“
Nach der Mittleren Reife fragte Arndt an, ob Hölker nicht eine Ausbildung bei ihm machen wolle. „Aber meine Noten waren so gut, dass ich mich für die Oberstufe entschieden habe“, gab der Jugendliche Arndt einen Korb. Arndt blieb dran, beschäftigte den Schüler in den Ferien und fragte nach dessen Abitur erneut nach. „Ich konnte da nicht mehr Nein sagen“, blickt Hölker zurück.
Die Entscheidung sei aber eine leichte gewesen. „Vier Meister und ein Altgeselle – da konnte ich richtig viel lernen“, begründet der begeisterte Holzarbeiter seine Berufswahl. „Und es wird alles wirklich handwerklich gemacht.“
„Er ist Teil einer kleinen Serie“, erklärt Hölker das Design seines sehr eleganten Couchtisches. Dabei deutet er auf das „Mini-Gesellenstück“, ein Sideboard, das wie das prämierte Möbel aus seinen Lieblingshölzern Esche und Nussbaum gefertigt ist. „Esche ist nachhaltiger als Eiche, bei der man das Splintholz wegen des hohen Gerbsäureanteils wegschneidet“, begründet der Tischler. Kurz habe er auch mit einem Schuhschrank als Gesellenstück geliebäugelt, die Idee aber schnell verworfen. „Ich wollte nicht, dass jemand seine dreckigen Mauken auf mein Holz stellt“, sagt er mit einem Schmunzeln. Einer seiner Brüder lernt Landwirt.
Seine Eltern hätten das Aussehen des Tisches mitbestimmt, schließlich stehe er in ihrem Wohnzimmer. Der Junior legte seine Pläne und Holzmuster auf den alten Wohnzimmertisch. „Wir alle fanden den Mix aus Kern- und Flammholz oder Splintholz als Oberfläche gut.“
Mit klassischen handwerklichen Mitteln, also ohne CNC-Maschine, habe er den Wohnzimmertisch gefertigt. Ungewöhnlich sei zudem gewesen, dass Hölker die Skizzen zwar mit einem 3D-CAD-Programm am Computer erstellte, die Fertigungszeichnungen jedoch von Hand anfertigte. Warum? „Durch die Stiftführung bekommt man ein Gefühl für das Bauteil“, erläutert er.
100 Stunden arbeitete Hölker an dem Tisch. „20 davon gingen für die Schleifarbeiten drauf.“ Was denn der schwierigste Teil der Arbeit gewesen sei? „Das Verleimen des Korpus“, sagt Hölker eindeutig. Runde Kanten seien beim Verleimen schwer zu pressen.
„Natürlich war Werner wegen meiner Entscheidung enttäuscht, aber er hat sie verstanden“, sagt Hölker: Gleich nach der Lehre verabschiedete er sich aus Hamm. Seit einigen Jahren arbeitet er im Sommer als Kajak-Guide an der slowenischen Soča und war nun nur für die Freisprechung in Hamm. Auf dem Balkan lernte er seine Freundin Camila kennen. Die Chilenin arbeitet ganzjährig als Rafting-Guide, im hiesigen Winter allerdings in ihrer Heimat. Ab September folgt Hölker ihr in den Süden des Andenlandes – mit seinem Handwerkszeug im Gepäck. Im chilenischen Sommer will er allerdings nicht auf dem Wasser arbeiten, sondern weiterhin als Tischler mit Holz. MARKUS LIESEGANG
